Press
November 2007
Jean Améry-Preis für Essayistik an Drago Jančar –
Erste Bank gratuliert
Mit Drago Jančar erhält 2007 der wohl bedeutendste slowenische Gegenwartsautor den Jean Améry-Preis für Essayistik. Unterstützt wird der Preis, der im Zweijahresrhythmus verliehen wird, seit heuer von „Kontakt. Das Programm für Kunst und Zivilgesellschaft der Erste Bank-Gruppe“. Am 16. November 2007 fand in der Erste Bank-Lounge am Wiener Petersplatz ein Festakt zu Ehren des Autors statt, bei dem unter anderem Autorenkollege und Mitinitiator Robert Menasse und, für die Erste Bank, Christine Böhler als Laudatoren auftraten. Im Publikum fanden sich unter anderem der slowenische Botschafter Ernest Petric und der frühere Preisträger Doron Rabinovici.
„Drago Jančar ist ein Autor, der nicht nur in der Literatur, sondern auch im Leben Courage bewiesen hat. Den Mut dazu, unbequem zu sein, Mut anzuecken, und auch Mut, die Konsequenzen zu ziehen. Das Tito-Regime hat ihn dafür eingesperrt, aber wir verleihen ihm einen Preis“, sagte Boris Marte, Initiator von „Kontakt“ und Head of Corporate Sponsoring der Erste Bank-Gruppe, am Freitag anlässlich der Verleihung des Jean Améry-Preises für Essayistik an Drago Jančar.
Die Jury, der unter anderem Wolfgang Büscher („Die Zeit“) und Karl-Markus Gauß angehörten, begründete ihre Entscheidung so: „Ein Dissident par excellence, der zu den Herrschenden jeden Regimes kritische Distanz wahrte und sich nie scheute, gegen nationale Tabus und intellektuelle Moden zu verstoßen, weiß Jančar als Essayist seine Argumente mit historischem Wissen, gedanklicher Konsequenz und leidenschaftlicher Moralität vorzutragen; es geht ihm aber nicht um dogmatische Gewissheit, sondern vielmehr darum, solche Gewissheiten in Frage zu stellen und die Dinge in ihrer Widersprüchlichkeit zu zeigen.“
Jančar, Jahrgang 1948, veröffentlicht bereits seit den 1970er-Jahren Romane, Dramen und Essays. Nun wurde er für sein essayistisches Schaffen geehrt, darunter der Text „Kurzer Bericht über eine belagerte Stadt – Gerechtigkeit für Sarajevo“ oder die Sammlung „Brioni“, in der Jančar mit dem Tito-Regime und seinem Nachhallen in der slowenischen Gegenwart abrechnet. In der Vergangenheit wurde Jančar bereits mit dem Prešeren-Preis (1993), dem Europäischen Preis für Kurzprosa (1994), und dem Herder-Preis (2003) geehrt. Zuletzt ist von Jančar in deutscher Sprache „Katharina, der Pfau und der Jesuit“ erschienen, ein historischer Roman, der zur Zeit des Siebenjährigen Kriegs eine junge Frau und einen abtrünnigen Jesuiten auf einen Pilgerzug quer durch Mitteleuropa schickt.
Der Preis ist nach dem Ausnahmeschriftsteller Jean Améry benannt. 1912 als Hans Mayer in Wien geboren, war der Sohn assimilierter jüdischer Eltern als Volksschuldozent tätig, bevor er 1938 vor den Nazis flüchten musste. 1943 wurde er in Belgien als Widerstandskämpfer von der Gestapo verhaftet und gefoltert, dann nach Polen deportiert, wo er Internierungen in den Konzentrationslagern Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen überlebte. Diese Erfahrungen veränderten den jungen Intellektuellen unwiderruflich: aus Hans wurde Jean, aus Mayer Améry, und über Jahre weigerte sich der Autor vor Abscheu gegen das Naziregime, auch nur die deutsche Sprache zu verwenden. Als er es dann doch tat, war die Wirkung gewaltig. Mit Werken wie „Jenseits von Schuld und Sühne“ oder „Hand an sich legen“ wurde der kompromisslose Humanist zu einem der gefeiertsten Schriftsteller und Essayisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1978 schied er in Salzburg freiwillig aus dem Leben.
1982 stifteten die Witwe Maria Améry und der Verlag Klett-Cotta erstmals den Jean Améry-Preis für Essayistik, der in der Folge bis 1991 viermal verliehen wurde. Im Jahr 2000 beschloss der österreichische Autor Robert Menasse, den Preis wiederzubeleben, und seit 2007 stiftet die Erste Bank im Rahmen von „Kontakt. Das Programm für Kunst und Zivilgesellschaft der Erste Bank-Gruppe“, das Preisgeld, das heuer 12.000.- Euro beträgt.
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